Vorbemerkung und Dank: Die meisten der hier wieder zugänglich gemachten Beiträge wurden im Vereinsorgan des CBP (= Club Berger des Pyrénées 1982/83e.V.) veröffentlicht. Mit dem Redakteur dieser Zeitschrift, Udo Kopernik, habe ich 1982 den CBP gegründet – und er verantwortet Layout und Satz meiner Publikationen im CBP. Mit Udo Kopernik verbindet mich eine über mehrere Jahrzehnte währende Zusammenarbeit. Dafür möchte ich ihm an dieser Stelle meinen herzlichen Dank aussprechen!

Sie finden in dieser Rubrik Beiträge

  • zur Zuchtstrategie (z.B. Zucht und Verantwortung < > züchterische Eitelkeiten; Inzucht und Diversität; Farbzucht; Segmentierung einer Population; pyrenäisch angewandte Populationsgenetik)
  • zum Verhältnis von Standard und Tradition (z.B. Kommentare zu einzelnen Abschnitten des Standards: Gewicht; pyrenäische Kopfstruktur; Hals; Vorderhand; Bewegung; Rute; Fell…)
  • zum Verhältnis FaceRase – Langhaar: Unerlässlich zum Verständnis der Rasse!
  • zur Mentalität (z.B. Hütequalität; zum „Wesen“; zur Koexistenz von Berger des Pyrénées und Montagne des Pyrénées)

CBP-Chronik 1982-2013 = 30 Jahre CBP. Logischer Schluss: 2022/23 = 40 Jahre CBP…

2015: Josef Müller’s Farewell to the CBP / Les Adieux de Josef Müller au CBP / Abschied vom CBP

Basics / Données primordiales / Grundsätzliches zum BdP

Illustration des BdP in: „Tous les Chiens – Races et Standards“ (aquarelle originale d’André Lagarrigue; 2 Bände), Autor: Dr. vet. Hubert Heuillet, Lyon, 1934

Zwei BdP aus der Zucht von Pierre Poey aus Pau – Poey gehörte zu den Autoren des ersten FCI-Standards (1923-1926) und stand in Korrespondenz mit Bernard Sénac-Lagrange. Poey züchtete meist den Typ von Arbazzie, der das Modell für den Standard war. Auf der Seite „Historische Dokumente / Fotos“ zeige ich noch weitere Fotos von Hunden aus der Zucht von Pierre Poey.

Die Hündin (rechts) ist äußerst typisch; der Rüde (links) zeigt schon Kennzeichen des Labrit = Hütehund des gascognischen Tieflands

Dr. Maurice Luquet schreibt in seinem Standardwerk Les Chiens de Berger Francais 1982 auf S. 238 zu den Typen des BdP:

à côté de ce modèle-type représentant bien le berger des Pyrénées du type d’Arbazie, la chienne Berouyette de Lucvielle … et Fine Mouche de Fleurac … peuvent être données comme exemples parfaits. Il existait … d’autres modèles vivant dans les vallées voisines … Par exemple: le type de Bagnères, petit chien vif très chevelu, riche en poils et excellent travailleur au troupeau; le berger d’Azun noir comparable à un petit Groenendal peu apprécié comme chien de troupeau; le chien „Renard“ tout à fait différent, fauve genre colley à collerette unicolore, aux oreilles droites naturelles, à l’oeil oblique. Chien d’une variété extrêmement rare qui aurait d’excellentes qualités de pisteur; le type de Saint-Béat qui aurait pu être comparé à un petit bobtail; le type Labéda, caractérisé par son fouet en sabre, plutôt court et sans crochet et des oreilles naturelles tombant bien à plat sur les joues.

Benoît Carton de Tournai:

Grundsätzliches zur Zuchtstrategie / réflexions fondamentales de l’éleveur idéal (in: Der Pyrenäen-Schäferhund, 1985, S. 131-133):

Josef Müller:

Standard and / et / und Tradition – or / ou / oder: Tradition et standard? Priorité? Antériorité? Priorität und / oder Vorzeitigkeit?

Über das Verhältnis des Berger des Pyrénées à Face Rase (FR) zum Langhaar-Berger / Face Rase et Poil Long forment un tout! / Smooth-haired and rough-coated BdP are to be considered as a unity!

Eine natürliche Rasse darf nicht verändert werden! Sie muss erhalten, nicht entwickelt werden! Besonders die Cadenetten (> weiter unten der Beitrag zu Cadenetten!) sind seit den späten 1980er Jahren die spektakulärste Veränderung bzw. „Weiterentwicklung“ des Langhaar-Bergers. Aber die Cadenetten brauchten ein gehöriges Maß an „Vorleistung“ – die bestand darin, das Rasse-Ideal vom mittellanghaarigen BdP im Arbazzie-Typ (= Pic du Midi d’Ossau – Col du Soulor) zu verschieben zum langhaarig-wollbetonten Typ von Bagnères-de-Bigorre (= Pic du Midi de Bigorre): Die Reinerbigkeit auf RSPO2 (=rauhwollig-langhaarig) ist die Vorbedingung für die Freisetzung von KRT71 (= gekräuseltes und langes (!), korkenzieherähnliches Fell = Cadenetten (gekräuseltes Fell hat auch der Airedale-Terrier, ohne dass er Cadenetten entwickelt))…

Interessant ist auch ein Kommentar von Jacques Coly zur Fellverteilung IN einem Tal zwischen den beiden Geschlechtern (in: Les Chiens de Berger Pyrénéens, Bd. 2, S. 76-77): Für die Täler von Argelès, Lourdes und Bagnères ist kennzeichnend, dass die Rüden langhaarig und die Hündinnen mittellanghaarig sind. Genetisch könnten wir unterstellen, dass die Hündinnen in diesen Tälern im Gegensatz zu den Rüden prinzipiell mischerbig auf RSPO2 sind und dass so die für den Langhaar-BdP typische Gesichtsbehaarung („coup de vent“) garantiert war.

Mentalität / mind-set – genetic endowments / mentalité:

Benoît Carton de Tournai:

Grundsätzliches zur Psyche des BdP / éléments fonda-mentaux du BdP… In: Der Pyrenäen-Schäferhund, 1985, S. 105-110

Der BdP erledigt auch die Arbeit des Border Collie!

Gastautoren / Guest authors / auteurs invités: Doris & Michael Schützler

Josef Müller: Zum „Wesen“ zu lesen, Auszüge aus der PyrenäenPost N° 54/3.95- N°56/1.96

Zur Koexistenz von BdP und Montagne des Pyrénées – in: PyPo N° 69/2.99, S. 84-94

Der Berger des Pyrénées – ein Hütehund par excellence des traditionellen = kontinentalen Typs:

Der Hüteveranlagungstest im CBP ist der erste Test dieser Art überhaupt für den BdP / Le CANT à la CBP est le premier test de ce genre / test of livestock-guiding dogs: The test invented and practiced by the CBP is the first test ever for BdP!

Élevage et responsabilité / breeding and responsability / Zucht und Verantwortung: Inbreeding / consanguinité, color(omania), tradition

Horrorvorstellung Inzucht – in: PyPo N°67/4.98, S. 68-71:

Das Interview erschien 2013 in der Zeitschrift Dog Talking :

Vanitas vanitatum… Hundezucht – ein Jahrmarkt der Eitelkeiten?

Züchterische Verantwortung vs züchterische Eitelkeiten:

Nicht nur der BdP wurde das Opfer menschlicher Eitelkeit, als man ihm des Kaisers neue Kleider in Form von Cadenetten anzog. Der BdP wird so auf eine Stufe herabgezogen mit degenerierten Rassen, die früher einmal gebrauchsfähig waren. Hier ein paar Beispiele anderer Rassen: FRÜHER UND HEUTE…

Ein Briard – 1912 in den Tuilerien / Paris
Ein Briard um 1914…
Ein „moderner“ Briard… arbeitsunfähig, weil sehbehindert…
Zur Ehrenrettung der heutzutage mit Fell überladenen Briards hier das Bild von Cadet (um 1900), der frisiert werden musste, damit er seine Arbeit erledigen konnte…

Auch die Kopfproportionen wurden Opfer züchterischer Eitelkeiten, wie wir am Beispiel des Boxers sehen:

Und wenn der Kopf endlich genug deformiert ist, kann man ja mal das Hintergestell modernisieren:

Auch der Deutsche Schäferhund wurde erfolgreich modernisiert:

Die Schnürbehaarung ist dem Bergamasker wie auch dem Berger des Pyrénées offensichtlich inhärent – vermutlich haben die Hirten züchterisch gegengesteuert, indem sie krause mit glatter Fellstruktur paarten:

Der Bergamasker – einst ein Gebrauchshund und heute…

Über Inzucht, Farbzucht, Tradition…

Inzuchtkoeffizient und Diversität / Taux de consanguinité et diversité / Co-efficient of inbreeding and diversity

Segmentierung einer mittelgroßen Population am Beispiel des CBP im Jahr 2002:

Populationsgenetik:

Gastautor /guest author / auteur invité: Michael Schützler

Kommentare zu einigen Abschnitten im Standard:

Gewicht / le poids / weight: …un minimum de taille et de poids / ein Minimum an Größe und Gewicht

Die spezifische Kopfstruktur – der Braunbär als Leitbild! / Une tête à part – le modèle de l’ours brun / The specific head-structure – the brown bear as model!

Bernard Duhourcau, Auszug aus Guide des Pyrénées Mystérieuses, 1976, S. 42-48: Le Dieu Ours – Die Bärengottheit, Zeugnisse einer frühen pyrenäischen Religion

Der Standard sowohl für den BdP wie auch für den Montagne des Pyrénées enthielt bis 2001 folgenden Passus: La tête dans sa forme générale est triangulaire et rappelle celle de l’ours brun. Ab 2001 ist dieser Leitsatz gestrichen, weil der neue Präsident den Standard entstauben wollte („dépoussiérer…“). Was für eine Anmaßung!

Zur Bärenmythologie und zu ihrer Auswirkung auf den Hund in zirkumpolaren Kulturen:

> Auf der Spur des Gefährten – Kynosophische Zeitreise, Band 1, S. 109-242 :

Gastautor / guest author /auteur invité: Iris Handel

Kopfstruktur / head structure / proportions de la tête du BdP

Die Kopfstruktur von BdP und Montagne des Pyrénées ist homolog! Für beide Rassen gilt die Relation Schädelbreite : Schädellänge = 50:50 und die Relation Schädellänge : Fanglänge = 60:40. Die Messungen von Dr. René Giralt, Chirurg in Foix und zusammen mit seiner Frau Inhaber der berühmten Montagne-Zuchtstätte „du Comté de Foix“, ergeben die Deckungsgleichheit der Kopfstruktur:

Für den Laien drei unterschiedliche Köpfe, für den Pyrenäenkenner sind diese Köpfe in der Struktur homolog:

Der Braunbär ist das emblematische Wildtier der Pyrenäen und faszinierte die Hirten – positiv wie negativ. Das Braunbärenjunge (Kindchenschema lässt grüßen!) liefert das Modell für den Kopf des BdP:

Garp du pâturage (*23.09.1986; Rustaud de l’Estaubé x Vanille du Grand Bestiolan), Z. Udo Kopernik – das früher übliche Kupieren der Ohren verstärkte die Ähnlichkeit mit dem Kopf des Braunbären
Sirius vom Wunderhorn (*28.05.2014; Amicus vom Pfiffigen Lüner x Petite Ourse vom Wunderhorn): Die mythologische Fixierung der Pyrenäen-Menschen auf den Bären als das emblematische Wildtier der Pyrenäen ging so weit, dass sie auch den Gang des Bären in dem des Berger wiedererkennen wollten…
Urielle de Montmartel (*1945) – in allem ein MusterBÄRger des Pyrénées!

Das Bärenzeremoniell war zentraler Bestandteil der vorchristlichen Religion(en) in den Pyrenäen:

Es war einmal…: Die Phasen der Bärenjagd in den Pyrenäen
Bärenzeiger in den Pyrenäen / Le Montreur d’Ours

In ihrem Werk „Pyrenean Festivals“ aus dem Jahr 1937 beschreibt Violet Alford sehr detailliert das Bären-Zeremoniell in den Pyrenäen:

Der Hals:

Gastautor / guest author /auteur invité: Doris Schützler

Die Vorderhand:

Die Bewegung / la locomotion:

Aus einem Richterwort entwickelte sich eine Diskussion zur caniden Fortbewegung:

Die Rute bzw. der Schwanz:

Haar bzw. Fell / le poil:

Ein kurzer Beitrag zum 2021 molekulargenetisch identifizierten 3. Allel des RSPO2-Genorts:

Demnach könnte man die möglichen Allel-Kombinationen den Grundtypen des BdP wie folgt zuweisen:

f/f > Piémont = keine Ausstattung mit Augenbrauen, Schnauz- und Kinnbart, kein längeres Fell an der Vorderseite der Beine

f/F2 > FaceRase = kurze Behaarung am Fang, am Schädel kontinuierlich „länger“ werdend

F2/f > Typ von Arbazzie = geringe Ausstattung mit Augenbrauen, Schnauz- und Kinnbart, längeres Fell an der Vorderseite der Beine

FaceRase und Arbazzie haben fließende Übergänge, die sich nach aktuellem Kenntnisstand nicht fixieren lassen…

F2/F2 > Typ von Bagnères-de-Bigorre = deutliche, aber nicht überbordende Ausstattung mit Augenbrauen, Schnauz- und Kinnbart, deutlich längeres Fell an der Vorderseite der Beine – mit dieser Ausstattung ist ein frisierender Eingriff zwecks Rettung des Ausdrucks noch nicht notwendig

F/F2 > Typ von Bagnères-de-Bigorre = überbordende Ausstattung mit Augenbrauen, Schnauz- und Kinnbart, noch längeres Fell an der Vorderseite der Beine – mit dieser Ausstattung ist ein frisierender Eingriff zwecks Rettung des Ausdrucks notwendig

F/F > Typ von St. Béat = „erinnert an einen kleinen Bobtail“ – so wird er in der Überlieferung beschrieben; er wurde von den Standardautoren ausgeschlossen: Wunschtyp der frühen Standardautoren von 1926 war der ARBAZZIE-Typ!

Zur Integration von Berglinien in die FCI-Zucht / L’intégration de souches montagnardes à la lignée officielle nommée FCI / in-cross of herdsmen’s BdP into the so-called FCI-breeding-stock

Die Cadenetten / Schnürbehaarung – erst ab der Mitte der 1980er Jahre / à Partie des années 1985…

Les cadenettes / die Schnürbehaarung – erst seit den 1985er Jahren verbreitet / répandues à partir des années 1985… Explizite Erwähnung erst in der Standard-Version des Jahrs 2001, vorher unbekannt bzw. als Fehler behandelt / mentionnées la première fois dans la version du standard N° 141 à partir de 2001…

Impériale vom Wunderhorn, einer der seltenen BdP mit Cadenetten aus unserer Zucht
Olim vom Wunderhorn, der zweite der ganz seltenen BdP mit Cadenetten aus unserer Zucht…

Zu den Cadenetten – ein Fund aus der Zeitschrift L’Éleveur vom 24. Juni 1928, S. 358: Hier berichtet Paul Mégnin, der Herausgeber der Zeitschrift, von den Hunden, die er auf der Ausstellung in LYON am 9./10.06.1928 gesehen hat, darunter auch einen BdP, Farou de l’Adour (s.u.), an dem er u.a. die matelottes kritisiert, das sind die verzotteten Wollplatten auf Lende und Kruppe, die wiederum Voraussetzung sind für die vom Besitzer artifiziell durch Auftrennen der Wollplatten hergestellten Cadenetten heutzutage. Mégnin sagt in wünschenswerter Klarheit, dass man nicht durch unterlassene Pflege das Fell zu etwas werden lassen soll, was es nicht sein darf…

Die beiden einzigen historischen Fotos, die einen BdP ansatzweise mit Cadenetten zeigen, belegen meine These, dass es sich bei den Cadenetten um eine dem BdP inhärente Veranlagung handelt (Locus KRT71) und nicht um das Ergebnis einer neuzeitlichen Einkreuzung des Puli:

Farou (*03.08.1924; Harlekin), B. Dr. Lacassagne / Tarbes; 1er prix Tarbes 1925

Auch dieser BdP könnte als Cadenetten-Vorläufer interpretiert werden – es ist der BdP, an dem Mégnin (s.o.) die matelottes kritisiert hat:

Farou de l’Adour (*15.05.1923; sable noir mélangé = schwarz mit sandfarben gemischt), B.: M. Lamaignère
Zum Vergleich – ein anderer Hund mit Cadenetten: Ein ungekämmter Tibet-„Terrier“ – um 1900… Die Identität von Tibet-„Terrier“ und Puli ist evident!

Eine weitere genetische Voraussetzung für Cadenetten ist gelocktes/gekräuseltes Fell (Locus KRT71), das vom allerersten Standard bis zu dessen aktueller Version als schwerer Fehler ( frisottant – in leichter Ausprägung) und als zuchtausschließender Fehler ( frisé, bouclé ) aufgeführt wird. Der Standard hat zur Vorbeugung dieses Fehlers immer gefordert, dass das Fell nur leicht gewellt sein darf ( ondulé ). Vom Concours General Agricole am 16. – 18. März 1934 in Paris berichtet P. Mégnin, unter den 64 ausgestellten Hütehunden seien 5 BdP gewesen, darunter zwei Brüder, deren Fell … leicht gewellt war, was der Standard zulässt, unter der Bedingung, dass es nicht übertrieben ist.

In den Bulletins der RACP von der ersten Ausgabe an in den 1950er Jahren bis in die späten 1980er Jahre ist KEIN EINZIGES BILDDOKUMENT zu finden, das einen BdP mit Cadenetten zeigt. Drei Dokumente belegen ex negativo meine These besonders nachdrücklich, dass die Cadenetten nicht der Tradition entsprechen und somit unpyrenäisch sind:

1. Die von Guy-J. Mansencal als Sekretär der RACP illustrierte Version des Standards aus dem Jahr 1980 (s.u.): Kein einziges Foto zeigt einen Hund mit Cadenetten! Aucune cadenette n’est visible dans cette dernière version traditionnelle du standard!

2. Ein Beitrag von Guy-J. Mansencal im Bulletin der RACP aus dem Jahr 1971 (s.u.), in dem er beschreibt, wie er seine Bergers auf die Ausstellung vorbereitet: Er kämmt seine Hunde aus und vergisst dabei keine einzige Zotte – n’oubliant aucune mèche! Bergers mit zottigem Fell waren also im Ausstellungsring verpönt…

3. Der private Briefbogen Mansencals aus dem Jahr 1980 illustriert den langhaarigen und den mittellanghaarigen BdP – KEINE CADENETTEN !!!

Hier meine Bilanz einer Diskussion über die Cadenetten auf einer FaceBook-Seite im Jahr 2019:

Les cadenettes – mon bilan du débat

  1. La coopération du locus KRT71 (poil frisottant > frisé > bouclé) à la production des cordes/cadenettes naturelles, suggérée par les généticiens, ne nous convainc pas trop vu les exemples de BdP cadenettés, puis tondus et ne montrant aucune trace de poil frisé. Pourvu que ces exemples soient des porteurs de vraies cadenettes… il est évident qu’ils ne le sont pas! En ce cas-là, il s’agit donc de fausses cadenettes, donc de cadenettes artificielles, fignolées par le propriétaire du chien…
  2. Les cadenettes naturelles (cordes, Rasta-look; je ne parle pas des plaques à la Bergame qui livrent au BdP l’étanchéité nécessaire contre les averses en haute montagne), ces cadenettes naturelles à la Puli ne sont pas désirables pour le biotope du BdP, un biotope frais et humide. Elles gènent leurs porteurs dans leur mobilité passive. Dans les Pyrénées, les bergers (humains) n’utilisent pas de chiens cadenettés. En cherchant des chiens cadenettés, leurs éleveurs approfondissent le fossé entre le chien de travail et le chien de salon/exposition. HORS LE TRAVAIL – POINT DE SALUT… En éloignant/écartant le BdP de son type de travail, on le fait perdre des qualités indispensables (et je ne parle pas encore des qualités mentales telles que son ardeur au travail etc.). Ceci dit, la recherche des éleveurs de l’extérieur essentiel du BdP reste indispensable, cet extérieur essentiel étant négligé plus ou moins par les utilisateurs du BdP (ce qui est bien compréhensible – mais ici, exceptionnellement, „la montagne“ ne sert pas de modèle). La recherche de l’extérieur essentiel, c’est LA raison d’être de nos éleveurs. Dans son élevage, M. Guy-J. Mansencal a réalisé cet extérieur essentiel assez souvent (beaucoup plus que beaucoup d’autres éleveurs). Je voudrais vous faire penser à la fameuse photo qui nous montre trois BdP bien différents (Réglisse de l’Estaubé, Sarrat de l’Estaubé et Tarquin le Superbe). Ces chiens sont différents en ce qui concerne le type – et quand même, tous les trois, ils réalisent l’extérieur essentiel du BdP. A la rigueur, c’est seulement Sarrat qui montre une tendance possible aux cadenettes.
  3. Les cadenettes sont une mode. Or, le BdP étant une race naturelle, ses éleveurs doivent le maintenir, le conserver tel qu’il leur est „délivré“ par la montagne (les Basques disent de leurs Pottoks: „C’est la montagne qui nous les donne“…). Les éleveurs du BdP n’ont rien à ajouter à cette petite merveille. Tout ce qu’ils doivent faire, c’est le préserver des modes et de se concentrer sur „l’essentiel“ (Règlisse, Sarrat, Tarquin et al.). 
  4. En 1971, le secrétaire de la RACP, M. Guy-J. Mansencal, en donnant des conseils aux novices, a écrit ceci (dans la „Vie Canine, Déc. 1971: Bulletin de la RACP“): „… AVEC UNE BROSSE TRÈS DURE … JE BROSSE À REBROUSSE POILS, N’OUBLIANT AUCUNE MÊCHE … SI LA FOURRURE EST TROP LAINEUSE ET A TENDANCE À SE FEUTRER, ÉVITER LA FORMATION DE PAQUETS DE LAINE ET PASSER LE PEIGNE MÉTALLIQUE À DENTS ÉCARTÉES TOUTES LES SEMAINES POUR ENLEVER CETTE SURPRODUCTION DE LAINE…………………. Donc: Pas de mêches > pas de cadenettes. Pas de surproduction de laine > pas de cadenettes. Et une conséquence à tirer par les éleveurs: Éviter génétiquement la surproduction de laine, pas seulement à l’aide d’un peigne métallique. Deux décades plus tard, le président de la RACP, le même M. Guy-J. Mansencal, favorise les chiens cadenettés et il déclenche ainsi une mode qui change radicalement l’extérieur du BdP. Maintenant, on est obsédé par la recherche des mèches pour obtenir des cadenettes. Logique? Motivation? Arguments? Nada, niente – la rupture d’avec la tradition pyrénéenne est évidente. „Cela me plaît mieux comme ça“, ce n’est pas un argument pertinent, c’est seulement une attitude égocentrique.
  5. Notre discussion n’a pas été enrichie par des remarques comme p.e.: „J’aime les cadenettes!“ Les sentiments personnels sont respectés et ne sont pas mis en question. Mais le sentiment personnel ne constitue pas forcément un argument. Autre remarque: „Les cadenettes appartiennent au BdP puisqu’elles lui sont inhérentes!“ C’est bien possible, voire probable qu’elles soient inhérentes à la race, mais ce n’est pas non plus un argument pour les cadenettes. Il y a aussi d’autres traits caractéristiques qui sont inhérents à la race – et quand même, le standard les sanctionne comme défaut: Noir et feu p.e., l’oreille droite naturelle p.e., des BdP blancs (Locus S: s(p) / s(p) comme le MdP p.e.), le prognathisme, les yeux clairs p.e. etc.
  1. Die illustrierte Standard-Version von 1980 – kein einziges Foto mit Cadenetten:
Das Titelbild zeigt Fine Mouche de Fleurac (*1956)
Links Idrac de l’Estaubé (Soulor de l’Estaubé x Urfa) und rechts Rosée (Quandi de Canrom x Quenouille)
Links oben Dauphine dell’Anty (Versant de l’Estaubé x Ibarette de l’Estaubé), darunter Izeste (Urdos de l’Estaubé x Quairat), rechts Pastoureau (Soulor de l’Estaubé x U’Miquette)
Links Quercy du Hic (Nilou x Nicki du Hic), rechts oben Nicki (Urdos de l’Estaubé x Urielle), unten Muscadin (Urdos de l’Estaubé x L’Oule)
Links Eddy dell’Anty (Barry dell’Anty x Ibarette de l’Estaubé)
Die Fotos 9 und 10 sind explizit als Negativbeispiele bezeichnet! So sollen Bergers NICHT aussehen! Rechts: Neige (Vignemâle de l’Estaubé x Isba; diese Isba ist nicht identisch mit der berühmten Isba!)
Links ein Hund aus der Zucht „du Boulleaume“, rechts O’Estaubée (Job de l’Orinclois x Mailnada)
Links O’Estaubée, rechts oben Vignemâle de l’Estaubé (Soulor de l’Estaubé x Oulettes), unten ein Hund aus der Zucht „du Boulleaume“

2. Die Hinweise Mansencals 1971 zur Vorbereitung eines langhaarigen BdP auf die Ausstellung:

„…je brosse à rebrousse poils, n’oubliant aucune mèche…“ „…si la fourrure est trop laineuse et a tendance à se feutrer, éviter la formation de paquets de laine et passer le peigne métallique à dents écartées toutes les semaines, pour enlever cette surproduction de laine.“ „…les chiens vivant dans nos villages des hautes vallées ont toujours une texture de poil de grande qualité.“ Diese praktischen Hinweise Mansencals aus dem Jahr 1971 machen eindeutig klar, dass jegliche Verzottung des Fells zu vermeiden ist und im Ausstellungsring absolut nichts zu suchen hat. 20 Jahre später zaubert der große Meister Cadenetten-Bergers aus dem Hut (zuerst aus der Paarung Orme x Isba) und setzt diese absolut unpyrenäische Mode als neuen Maßstab durch. Geschichtsvergessene Berger-Fans, die nach 1990 den BdP kennen und lieben lernen, halten die Cadenetten für eine Conditio sine qua non… Welch ein Irrtum! Jeder Berufsschäfer bestätigt, dass die Cadenetten den Hund bei der Arbeit behindern – es sei denn, er müsste eine Herde in der Puszta hüten…

Quelle: La Vie Canine N° 228, XII/1971, pp. 678 (s.u.; die uns interessierende Information ist zu finden auf der Seite oben in der mittleren und rechten Spalte!)

3. Der private Briefbogen Mansencals aus dem Jahr 1980 – keine Cadenetten:

Erst in der Version von 2001 spricht der Standard explizit von Cadenetten:

Die Rekonstruktion des Face Rase durch Charles Douillard in einem Pionierbeitrag aus dem Jahr 1994 (Bulletin der RACP 4/94, N° 43, pp. 54-66)

Charles Douillard / Clubabend CBP 2010
Lutour

Und hier die Reaktion des damaligen Präsidenten der RACP auf den FaceRase-Vorschlag des damaligen Vizepräsidenten der RACP – Mansencal at his best…

Zur vorläufigen Festschreibung der Divergenz von Langhaar und Glatthaar trägt die Version des Standards von 2001 erheblich bei:

Gastautor / guest author / auteur invité: Annick Sénac-Lagrange

Annick Sénac-Lagrange mit Hunden aus ihrer Zucht „de Lucvielle“, mit der sie den Zuchtstättennamen ihres Vaters Bernard Sénac-Lagrange bewahrte und fortführte. Annick sog den BdP sozusagen mit der Muttermilch auf – ihre Ausführungen zum BdP haben dokumentarischen Wert, auch wenn sie logischerweise ihre eigene Sicht auf die Rasse entwickelt hat…
Jéret de Lucvielle (*11.06.1974; Sandrous de Lucvielle x Vesprée de Lucvielle), ein Rüde aus der Zucht von Annick Sénac-Lagrange

Annick Sénac-Lagrange:

Der Berger des Pyrénées von seinen Anfängen bis 2012 /

Le BdP dès ses débuts dans la nuit des temps jusqu’à 2012 /

The history of the BdP

Charles Douillard:

The smooth-haired BDP /

Le BdP à poil lisse /

Der glatthaarige BdP (FaceRase / Piémont)

Pyrenean features of the BdP / Caractéristiques pyrénéennes du BdP / Pyrenäische Kennzeichen des BdP

Josef Müller:

2 Anmerkungen / annotations / zum Langhaar-Berger:

a) Widerristhöhe / hauteur au garrot / height at withers,

b) Fellfarbe / couleur du pelage / color / Schwarz / noir / black

Farben / colors / couleurs: Auch heutzutage ist der BdP immer noch farbenfroh, trotz der Versuche, die Rassevielfalt zu reduzieren…

Fauve à manteau noir / mit schwarzem Mantel:

FaceRase im Besitz von Irene Drumm / 1980er Jahre; im Jahrbuch von 1948 der RACP wird ein FaceRase namens Picard gelistet: Fauve mit schwarzem Mantel – in den 1980ern also nichts Neues unter der Pyrenäen-Sonne…

Der A-Genort (A wie Agouti) – nicht nur Fauve und Fauve mit Mantel, sondern auch Schwarz-Lohfarben – Caveat: Der Artikel kennt noch nicht die Neusortierung des A-Genorts:

Schwarz-Lohfarben – noir et feu : 1925: L’Éleveur 26.07.1925:

Schwarz und Weiß / Noir et Blanc / Black and White

Velours de l’Estaubé (*01.02.1984; schwarz und weiß), Z. Guy-J. Mansencal

Guy-J. Mansencal: Le noir lui va bien

Nicht nur schwarz und weiß, auch fauve und weiß kann er sein, der BdP – hier Uzer vom Wunderhorn als Welpe (Vent x Verdette = Paarung zweier nicht miteinander verwandter Berglinien):

Fauve-Harlekin

In den 1980er Jahren gab es einen Streit zwischen Mansencal und Pécoult über den Fauve-Harlekin – im Gegensatz zu allen anderen Kennern der Rasse behauptete Pécoult, das nur der Grau-Schwarz-Harlekin zugelassen sei. Ich lasse hier einen Kenner zu Wort kommen, der völlig unverdächtig ist, einer der beiden Parteien in der Pyrenäen-Szene anzugehören: Es ist Dr. vet. Maurice Luquet, der in seinem Standardwerk Les Chiens de Berger francais 1982 auf S. 238 zu den Fellfarben des BdP u.a. schreibt:

…, des robes dites arlequin avec diverses mélanges de gris, noir, fauve, blanc, ne sont pas exceptionnelles – …, die Harlekin genannten Farben (!) mit verschiedenen Mischungen von Grau, Schwarz, Fauve, Weiß sind nichts Außergewöhnliches (im Sinn von: selten).

Ungeachtet aller berechtigten Skepsis den Fauve-Harlekinen gegenüber ist die rigide Haltung von Alain Pécoult, die in seiner Standardrevision von 2001 mündete im Zuchtausschluss von Fauve-Harlekinen, gerade im molekulargenetischen Zeitalter nur noch durch eine Idiosynkrasie zu erklären…

Mausgrau / Gris souris

Im Jahrbuch der RACP für das Jahr 1948 wird auf S. 55 ein FaceRase-Rüde namens SKI gelistet, dessen Farbe als „gris-cendré, jabot blanc“ beschrieben wird. Es liegt nahe, „Asch-Grau“ als Synonym für Mausgrau zu verstehen:

Mit dem aschgrauen SKI dürfte phänotypisch und genetisch vergleichbar sein der mausgraue Rüde D’Irun vom Pfiffigen Lüner aus der Zucht der Dres. Christian und Wiebke Geiping und im Besitz von Frau Schemschat:

D’Irun vom Pfiffigen Lüner

Weiß / Blanc / white / mit fauven Flecken

Im Jahrbuch der RACP aus dem Jahr 1948 werden u.a. die Zuchthunde der einzelnen Zuchtstätten aufgelistet. Auf S. 58 werden für die BdP-Zuchtstätte „de Lucvielle“ von Bernard Sénac-Lagrange in Auch / Gers/ Pyrénées drei Zuchthunde gelistet, darunter die Hündin Bergère: „Harlekin Weiß und Grau. Geboren 1918.“

Auf Seite 49 werden für die BdP-Zuchtstätte „de Séméac“ des Dr. Lacassagne in Séméac/Hautes Pyrénées drei Zuchthunde gelistet, darunter die Hündin Musette: „Weiß mit fauven Flecken. Geboren 1921.“ >

Weiß mit fauven Flecken kommt beim BdP ab und an vor – Musette (*1921; s.o.) ist der früheste dokumentierte Fall. Ein Geschwister von Europa war ebenfalls weiß mit fauven Flecken (s.u.):

Ein Geschwister von Europa
Pseudo-Panda vom Wunderhorn (08.04.2012; Iraty vom Wunderhorn x Arkona vom Pfiffigen Lüner; u.a. ein Inzuchtkoeffizient von 6,25% auf Europa > s.o.)
Weiße BdP mit fauven Abzeichen: Aus einem Brief von Annick Sénac-Lagrange vom 08.06.2012…

Bernard Sénac-Lagrange hatte in einem Wurf einen weißen Welpen mit fauven Flecken…

Annick Sénac-Lagrange hatte in einem Wurf einen weißen Welpen mit fauven Flecken…

Josef Müller hatte in einem Wurf einen weißen Welpen mit fauven Flecken…

In einem Tal in den westlichen Pyrenäen gibt es bis heute weiße BdP; David Hancock zeigt in seinem Beitrag „Lauding the Labrit“ (> http://davidhancockondogs.com/archives/archive_900_present/979.html ) einen weißen BdP mit fauven Abzeichen:

Ein pyrenäischer Hütehund in den USA um 1930 – im Besitz von Mr. Bair. Der Hund ist weiß mit fauven Abzeichen:

Fell und Typ / poil et type – premiers éléments et conclusions / – intuitive Erkenntnisse in 1988 (Pyrenäen-Post N° 26/2.88/10-23:

Rute / Queue / Tail:

Bernard Sénac-Lagrange 1952 über das Verhältnis von kupierten und naturbelassenen Ruten

Winkelungen / angulations: