Gustav Mahler, 16 WUNDERHORN-Lieder:

An alle PoCs*: Diese Seite bitte nicht weiter betrachten – sie könnte großes Leid zufügen!

*PoC : Es ist nicht anzunehmen, daß „ PoC “ lange Bestand haben wird, er wird das Schicksal der LGBTQI+ … XY erleiden und an seiner eigenen Binnenvielfalt zugrundegehen, weil Überdifferenzierung gleich Entdifferenzierung ist.

Christian Wildhagen11.10.2021; in: NZZ

War Beethoven schwarz?

Der Sänger Roberto Blanco hat sich zum Sprachrohr einer Bewegung gemacht, die mit einer Exhumierung die angeblich afrikanische Abstammung des Komponisten belegen will. Die geschmacklose Forderung hat wenig Nutzen, aber eine lange Tradition.

Zunächst glaubt man an einen makabren Scherz: Der Schlagersänger Roberto Blanco hat in einem Ende September veröffentlichten Videoclip gegenüber dem Wiener Landeshauptmann Michael Ludwig die Forderung erhoben, der Bürgermeister möge die sterblichen Überreste Beethovens exhumieren lassen. Der 1827 verstorbene Komponist ruht seit einer Umbettung 1888 in einem Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof. Sinn und Zweck der Leichenschau solle sein, endlich Klarheit über die Abstammung eines der grössten Komponisten der Musikgeschichte zu gewinnen. 

Blanco verklausuliert die Vermutung, die hinter seiner Forderung steht, als Wette: «Ich wette, dass Beethoven mir ähnlicher gesehen hat als Ihnen, Herr Bürgermeister!», sagt er in dem Video. In geringfügigen Abwandlungen hat der dunkelhäutige Sänger diese Formulierung mittlerweile in mehreren Interviews wiederholt. Seither gehen in den sozialen Netzwerken die Wogen der Erregung hoch: Die Spanne der Kommentare reicht vom entrüsteten Vorwurf der Leichenfledderei über blankes Unverständnis bis zu begeisterter Zustimmung, namentlich vonseiten zahlreicher Aktivisten, aber auch einiger Wissenschaftler.

Spitzname «Spagnol»

Anders als es der nassforsche Ton von Blancos Forderung vermuten lässt, geht es hier keineswegs um das Privatinteresse eines Boulevardkünstlers. Vielmehr war Beethovens Abstammung schon zu Lebzeiten Thema und wird seit nunmehr 250 Jahren unter den wechselnden Vorzeichen des Zeitgeistes immer wieder aufgegriffen. Grundlage der Spekulationen sind Berichte von Zeitgenossen, etwa des Bonner Bäckermeisters Gottfried Fischer, die einigermassen glaubwürdig versichern, dass Beethoven auffallend dunkle Haut gehabt habe. Er soll deshalb unter anderem den Spitznamen «Spagnol» getragen haben. Nach der Umbettung 1888 schrieb man Beethoven aufgrund seiner Schädelform sogar ein «Mulattengesicht» zu. 

Die Form des damals sogenannten «Mulattenschädels» in Beethovens Grab weise «stark auf eine afrikanische Abstammung hin», konstatiert noch heute der Genealoge Ralf Günther Jahn. 2009 gelang Jahn der Aufsehen erregende Nachweis, dass der Schädel im Grab Friedrich Schillers nicht derjenige des Weimarer Dioskuren ist. Eine solche Vertauschung – etwa durch Devotionalienräuber – sei auch in Beethovens Fall nicht auszuschliessen, sagt Jahn warnend. Er verspricht sich von einer Exhumierung gleichwohl Aufschluss über allfällige afrikanische Wurzeln der Familie Beethoven, die väterlicherseits aus dem seit langem multiethnisch geprägten Flandern stammte.

«Black as I and you»

Von diesem Forschungsinteresse, das – wie jede Störung der Totenruhe – auf ethische Bedenken treffen mag, sind die Motive der Aktivisten zu unterscheiden, zu deren Sprachrohr sich nun Roberto Blanco macht. Denn hier geht es offenkundig um eine Vereinnahmung Beethovens für die Sache der People of Color. Diese Instrumentalisierung der Person und ihrer einzigartigen Bedeutung ist alles andere als neu – schon in den 1960er Jahren behaupteten die Bürgerrechtler Malcolm X und Stokely Carmichael, Beethoven sei «black as I and you» gewesen, und begründeten eine Tradition der politischen und literarischen Vereinnahmung, die über Nadine Gordimer bis in die Gegenwart reicht.

Neu, aber historisch äusserst bedenklich ist dagegen der Zug ins Biologistische, wenn nunmehr wissenschaftliche Untersuchungsmethoden, etwa der DNA-Analyse, für die Untermauerung politischer Ansichten und Ziele herhalten sollen. Zu Ende gedacht, drohte da tatsächlich Leichenfledderei im grossen Stil, ja womöglich ein Rassismus mit umgekehrtem Vorzeichen. Der Nutzen ist in jedem Fall fraglich. So oder so ändert es nämlich nicht das Geringste an der überragenden Bedeutung der 9. Sinfonie oder der Missa solemnis, ob diese Werke nun von einem Schwarzen, einem Transsexuellen, einem Asiaten oder schlicht von einem alkoholkranken Rheinländer komponiert wurden.

Dieser, der letzte Absatz fasst die Absurdität der Debatte kurz und prägnant zusammen. Und dass Beethoven Österreicher war, weiß in Österreich ohnehin jeder, alles andere ist, wie ein ehemaliger österreichischer Fußballer sich einmal sprachlich selbst übertrippelte, primär.

Und nun: Satiremodus einschalten!

in: Zellerzeitung, S. 1146

Nicht nur hörens-, sondern auch sehenswert als Kommentar zum Rassismus in der klassischen Musik:

https://www.youtube.com/watch?v=GgmcORcr4rE

Alfred Schnittke: Tango from Life with an Idiot – Vadim Gluzman, Johannes Moser, and Yevgeny Sudbin

Nicht nur Musik von Bach und Beethoven ist angeblich rassistisch-kolonialistisch, nein, Newtons Schwerkraft dann wohl auch >

Dekadenz, (Selbst)-Zerstörungswut und Rassismus gegen Weiß:

http://luzifer-lux.blogspot.com/2021/05/wdr-dekadenz-zerstorungswut-und.html

„Ich habe gestern nochmals die Vier letzten Strauss-Lieder mit der großartigen Jessye Norman gehört. Drei alte weiße Männer – Strauss, Hesse, Eichendorff –, die von einer schwarzen Frau kulturell enteignet wurden. Durfte die das? Oder müssen diese und ihre anderen Aufnahmen (außer Porgy und Bess) jetzt gelöscht werden?”

VON  DANIEL MOHR-AKTUALISIERT AM 28.04.2021:

https://www.faz.net/aktuell/f-a-z-fruehdenker-flickenteppich-fuer-geimpfte-17315377-p4.html

7. Ist klassische Musik rassistisch?

Die Angriffe auf die globale Dominanz von Bach und Beethoven werden heftiger. Doch Quoten würden auch nicht helfen.

Kanon: Die Zusammenstellung musikalischer Werke mit einer Bedeutung, die die Zeit überdauert, ist dominiert von deutschsprachigen Komponisten klassischer Musik. Die Kritik an dem etablierten Kanon west- und mitteleuropäischer Meisterwerke nimmt zu. Forderungen aus Amerika nach einer Dekolonialisierung des musikalischen Kanons werden lauter.

Singen vom Blatt?  Manche Kritiker fordern, die als missionarisch und kolonial eingestufte Praxis des Vom-Blatt-Singens in der Chorausbildung abzuschaffen. Lasst klassische Musik sterben, meinen etwa auch junge Musiker, die zwar gerne Beethoven hören, aber unter dem Fokus von Fördergeldern auf klassischer Musik leiden.

Hilft die Quote? Es gibt Vorschläge, künftig Konzerte mindestens zu 25 Prozent mit Frauen oder unterrepräsentierten Ethnien besetzen zu lassen, und so der Dominanz von Bach und Beethoven, dem „Denkmal repressiver Geschichte“, mehr entgegenzusetzen. Doch damit würde erlittene Exklusion mit neuer Exklusion zu kompensieren versucht.

Zum Beleg des „Denkmals repressiver Geschichte“:

Friedrich Schiller, Ode An die Freude > Ludwig van Beethoven: 4. Satz der 9. Sinfonie: Kolonialistisch-rassistischer Textausschnitt ( Hervorhebung von mir! ):

Freude, schöner Götterfunken,
 Tochter aus Elisium,
 Wir betreten feuertrunken,
 Himmlische, dein Heiligthum.
Deine Zauber binden wieder,
 Was die Mode streng getheilt,
 Alle Menschen werden Brüder,
 Wo dein sanfter Flügel weilt.

https://www.gegenfrage.com/musik-intelligenz/

Musik fördert die Intelligenz, zeigen Studien

  by Bürgender

Musik heilt, verlangsamt den Alterungsprozess und fördert die Intelligenz, wie verschiedene Studien zum Thema ergaben. Insbesondere für Kinder hat Musik einen sehr hohen Stellenwert.

„Musik kann eine wilde Bestie beruhigen, Steine erweichen oder eine knorrige Eiche beugen“, schrieb der Dichter William Congreve im Jahr 1697. Die Wissenschaft hat gezeigt, dass Musik auch heilen und den Alterungsprozess verlangsamen kann.

Und die moderne Forschung hat einen weiteren Grund gefunden, diese universelle Sprache zu lernen: Musik macht den Menschen intelligenter. Forscher der Universität von Granada beobachteten die neurologischen Veränderungen, die nach einer längeren musikalischen Schulung auftreten.

Dabei kam heraus, dass Musik Menschen dabei hilft, Probleme besser zu bewältigen. Dies liegt mitunter daran, dass Musiker eine höhere neuronale Konnektivität haben als Nichtmusiker.

Wissenschaftler vom Mind, Brain and Behaviour Research Centre (Zentrum für Geistes- und Gehirnforschung) und des Department of History and Music Science (Institut für Geschichte und Musikwissenschaft) untersuchten 142 Schüler an zahlreichen Musikschulen, wie etwa dem Königlichen Konservatorium für Musik „Victoria Eugenia“ in Granada, dem Konservatorium für Musik in Málaga und der Universität von Granada in der Abteilung für Geschichte und Musikwissenschaft.

Die Studenten hatten mindestens zehn Jahre lang Musikunterricht und lernten dabei ein Instrument zu spielen. Die Teilnehmer unterzogen sich einer Magnetresonanztomographie (MRT) sowie mehreren neuropsychologischen Verhaltens- und Hörtests.

Die Ergebnisse zeigten, dass Musiker eine höhere neuronale Konnektivität als Nicht-Musiker haben, was zu komplexeren kognitiven Prozessen führt und das Gehirn dadurch in der Lage ist, leichter wichtige Entscheidungen zu treffen oder alltägliche Probleme zu lösen. Miriam Albusac Jorge, die Chefautorin der Studie, erklärt, dass diese höheren kognitiven Prozesse „multiple Gehirn-Interaktionen“ erfordern.

Sprach- und Lesefähigkeiten

Eine Studie aus dem Jahr 2016 am Brain and Creativity Institute der University of Southern California ergab, dass musikalische Erfahrungen in der Kindheit die Entwicklung des Gehirns verbessern, insbesondere in Bezug auf Sprach- und Lesefähigkeiten.

Die National Association of Music Merchants Foundation (NAMM) fügt hinzu, dass das Erlernen eines Musikinstruments die mathematischen Fähigkeiten verbessern und sogar die SAT-Werte von Jugendlichen erhöhen kann.

Musik lässt Körper und Geist eines Kindes zusammenwirken. Auch das Tanzen im Rhythmus der Musik entwickelt motorische Fähigkeiten und hilft Kindern, sich nonverbal auszudrücken. Kinder und Erwachsene schärfen ihr Erinnerungsvermögen, indem sie sich an Notenfolgen aus Musikstücken erinnern.

Bedeutung von Musik für Kinder

  • Säuglinge sind die musikalischste Altersgruppe, heißt es. Sie imitieren Geräusche und haben ein hohes rhythmisches Verständnis. Zudem reagieren Babys sehr viel stärker auf Musik als Erwachsene. Leise Musik bringt sie in vielen Fällen rasch zum Einschlafen, laute Musik hingegen überreizt kleine Kinder sehr schnell.
  • Kleinkinder tanzen gerne zur Musik. Sie lieben es, Lieder zu singen und dies immer wieder zu wiederholen. Dies fördert sie Sprache und das Erinnerungsvermögen. Auch die Kreativität und der Humor werden durch Musik gefördert. Ein Beispiel: Man singt ein dem Kleinkind vertrautes Lied und ersetzt eines der Wörter im Liedtext durch ein albernes Wort (der Klassiker: „Oh Tantenbaum“).
  • Kinder im Vorschulalter lieben Musik. Sie haben nur wenige Hemmungen vertraute Lieder mitzusingen, völlig egal ob sie die Töne treffen oder nicht. Gefällt ihnen ein neues Lied, hören sie es wieder und wieder an und erlernen nach kurzer Zeit den Liedtext.
  • Kinder im Schulalter entwickeln einen spezielleren Musikgeschmack. Außerdem hilft ihnen die Musik beim Lernen. Etwa das Erlernen des ABC-Lieds z.B. fällt ihnen wesentlich leichter, als das Alphabet einfach auswendig zu lernen. In diesem Alter kann es sehr sinnvoll sein, das Kind an das Erlernen eines Instruments heranzuführen.
  • Jugendliche identifizieren sich häufig über ihren Musikgeschmack und bauen sogar ihren Freundeskreis darauf auf. Sie lieben es, mit Freunden Zeit zu verbringen und gemeinsam Musik zu hören.

https://arshakandriasov.com/gaspard-de-la-nuit-recorded-by-walter-gieseking/

Ah ! ce que j’entends, serait-ce la bise nocturne qui glapit, ou le pendu qui pousse un soupir sur la fourche patibulaire ? 

Serait-ce quelque grillon qui chante tapi dans la mousse et le lierre stérile dont par pitié se chausse le bois ? 

Serait-ce quelque mouche en chasse sonnant du cor autour de ces oreilles sourdes à la fanfare des hallali ? 

Serait-ce quelque escarbot qui cueille en son vol inégal un cheveu sanglant à son crâne chauve ? 

Ou bien serait-ce quelque araignée qui brode une demi-aune de mousseline pour cravate à ce col étranglé ? 

C’est la cloche qui tinte aux murs d’une ville, sous l’horizon, et la carcasse d’un pendu que rougit le soleil couchant (Aloysius Bertrand)

https://www.youtube.com/watch?v=ckRC3OX2EtI
Fiedler himself knew Brahms sufficiently well for the composer to ask him to substitute for him in a performance of his Piano Concerto No. 2, an invitation which Fiedler politely declined. He almost certainly heard Brahms conduct the first Leipzig performances of his Symphony No. 2 early in 1878 and his Violin Concerto on New Year’s Day, 1879, with the dedicatee, Joseph Joachim. As a young man he conducted Brahms‘ symphonies in the presence of the composer who, not given to reticence when expressing himself, does not appear to have complained of Fiedler’s interpretations
Auf dem Programm standen ausschließlich Werke Wagners, unter anderen das Lohengrin-Vorspiel und die Szene auf dem Venusberg (Bacchanal) aus dem Tannhäuser. Beim letztgenannten, dem vorletzten Werk des Konzerts, passierte Toscaninis Blackout, er hörte für eine Minute zu dirigieren auf und hielt sich eine Hand vor die Augen. Das Orchester hörte für einen Moment zu spielen auf, bis der erste Cellist die Einsätze gab; die Senderegie der NBC blendete die Aufführung unmittelbar aus und spielte eine Brahms-Sinfonie vom Band zu. Als Toscanini wieder zu dirigieren anfing, blendete der Sender wieder in den Saal zurück. Toscanini nahm den Schlussapplaus des Publikums nicht mehr entgegen.
Der Vorfall wird in dem Kontext interpretiert, dass NBC Toscanini vorab zu verstehen gegeben hatte, man wolle das Orchester auflösen und wünsche, er würde seine Dirigenten-Laufbahn beenden. Wenige Monate später war Toscaninis Orchester tatsächlich aufgelöst und alle Musiker entlassen. Toscanini trat nie mehr als Dirigent auf.
Im 3. Satz ein paar falsche Noten, ja und?
Max Fiedler lived from 1859 to 1939. The English Wikipedia offers a substantial article on him. German Wikipedia instead, as ever so often, has almost nothing to say – and unfortunately one of those busy writers couldn’t even add the ten or twenty lines with activities or career during the „Third Reich“ which in many other articles on musicians appear to be the most important thing to say about a composer or conductor. Herr Fred Prieberg apparently had nothing to offer in this case, hence the busy boys had nothing to copy & paste.

Ilja Livschakoff
vor 1 Jahr

Es handelt sich hier um eine musikalisch schlüssige und somit absolut überzeugende Version dieses Konzerts, die Gieseking (zum Glück in Unkenntnis anderer Interpretationen) gespielt hat (damals war ja lediglich die Horowitz-Aufnahme von 1930 erschienen, in Deutschland aber möglicherweise gar nicht erhältlich und somit insgesamt nur einem sehr kleinen erlauchten Kreis betuchter Musikkenner bekannt). – Hört man den Anfang des ersten Satzes von Gieseking, gewinnt man den Eindruck, dass andere Interpreten das Stück von Anfang an gefühllos zu Tode rasen. – Wie sehr aber eingefleischte Hörgewohnheiten die Meinungsbildung beeinflussen können, zeigt u.a. die Meinung von Peter Von Berg (s.o.) zu dieser grandiosen Aufführung. – Dass natürlich Horowitz in seinen frühen (staunenerregend-diabolischen) Aufnahmen dieses Meisterwerks vollends überzeugt, ändert nichts an Giesekings Klavierkunst, die selbst ein sehr kritischer Komponist und Interpret wie Rachmaninoff zu schätzen wusste.
Sergei Rachmaninow

Klavierkonzert Nr. 3

Walter GiesekingPhilharmonisches SinfonieorchesterJohn Barbirolli  

Music & Arts/Note 1095 
(75 Min., 2/1939) 1 CD, – enthält zudem Werke von Debussy und Franck 

Bei Sammlern historischer Aufnahmen sorgte das Kürzel IPL 505 stets für feuchte Hände. Dahinter versteckte sich die seit vielen Jahren nicht mehr zu ergatternde, nun erstmals auf CD veröffentlichte Aufnahme jenes legendären Konzertes vom 12. Februar 1939, in dem Walter Gieseking unter John Barbirolli das dritte Rachmaninow-Klavierkonzert zum ersten Mal überhaupt ohne Kürzungen und mit der langen Kadenz aufführte. Der Komponist, der im Publikum saß, wird ein solches Wunder kaum erwartet haben. Von nun an sei Gieseking der führende Interpret seiner Konzerte, äußerte er bewegt. 
Wer dieses Dokument nun endlich nicht in der verkratzten Kopie einer Kopie hört, sondern annehmbar restauriert, versteht Rachmaninows Lob. Allein das bedächtige Aussingen der unendlichen Kantilene des ersten Themas, dieser leuchtend-transparente Gieseking-Ton musste die Hörer bezaubern und entführen. Doch was erst wie ein beglückend-sonniger, klassizistischer Interpretations-Seitenpfad wirkt, gehorcht einer fesselnden und zugleich ökonomischen Dramaturgie. 
Den Kopfsatz kennen wir gewöhnlich als emotional instabiles An- und Abschwellen der Erregungswogen. Gieseking und Barbirolli aber beginnen in einem breiten, lyrischen Gesang, aus dem heraus sich das Tempo im ersten Themenfeld völlig zielgerichtet über die Etappen „piu mosso“ und „piu vivo“ zum Allegro steigert, um in der Veloce-Kadenz zu gipfeln. Im völlig regelmäßigen Puls dieser Etappen formt Gieseking die Vielstimmigkeit seines Partes in scheinbar gewichtsloser Deutlichkeit aus, ohne dass der untergründige Spannungszug nachlassen würde, der zur Durchführung führt. In der Kadenz riskiert er alles, und aggressiver, klangmächtiger ist sie wohl nie wieder gespielt worden. 
So entblättert sich eine großartige epische Struktur, ein riesiger Bogen von Steigerung und Abebben, von Verdichtung und wehmütiger Verflüchtigung. Zwischen pastoralem Frieden und erregenden, gewaltigen Massierungen erkunden Gieseking und Barbirolli die majestätischen Ausdrucksdimensionen der Komposition, und kein Späterer sollte ähnlich weit gelangen. Dies ist einer der eindrucksvollsten Konzert-Mitschnitte aller Zeiten.

Matthias Kornemann, 07.02.2002

Here is the complete works of the man who was, for many discophiles, the great initiator of Debussy’s piano works: Walter Gieseking. It bears witness to a certain conception of the Debussy world that favoured „impressionism“, one of the masterpieces in the catalogue, and at the same time a lesson in piano art. It is through the seduction of sound, through the infinite range of nuances and colours, that the magic first takes place. It is also through Gieseking’s intelligence that we find an inner animation, chaste, very controlled, very measured, but intense.
Händel, Concerto grosso d-moll, op. 6, n° 10
https://www.youtube.com/watch?v=uBgsQrcMB-k
Mozart: A-Dur-Sonate; ab 15“ : Debussy, Clair de Lune; ab 19’45“: Ravel, Jeux d’eau

Jack Wilton
vor 2 Jahren

Magnificent performance. Despite the war, the performers have a clearer sense of themselves and their culture than we have today. We must regain our identity and our sense of ourselves as a people with a past of our own and a need to secure a future of our own.
https://www.youtube.com/watch?v=d-fudVaBoOg&list=PLH2tnBZzETg4E8zCE7-olfpuM2DHhMKJ2&index=5

the empathy shared between Bruckner’s final struggle to create, and the orchestra’s desperation to survive the horrors around and besetting them, while creating music; the anguished song of the soul.

Leider fehlen hier die ersten Takte…: